Anarchische Spaßplatte

Seit dem 09.04.2016 ist nun also das neue Metusa-Album namens „Dreckfresser“ auf dem Markt. Daher bin ich zwar mit diesem Text reichlich spät dran,werde aber trotzdem versuchen, das Werk im Folgenden einzuordnen.

Doch zuerst zur Band selbst: 2007 gegründet, sind Metusa mittlerweile ein fester Bestandteil der Mittelalterszene und von Festivals wie dem MPS kaum mehr wegzudenken. Die Band rund um Frontmann und Sänger „Domenikus der Saitenreiter“ zählt derzeit 7 Mitglieder. Sie spielen eine bunte sowie einzigartige Mischung aus Folk und Rock, wobei klassische Marktinstrumente wie der Dudelsack natürlich nicht fehlen dürfen.

Die vorliegende Platte „Dreckfresser“ ist das 5. Album der Truppe und im Gegensatz zu den Vorgängern deutlich rockiger, fast sogar punkig. Die CD kommt in einem schicken Digipack samt Booklet mit allen Texten daher.

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Aufgeklappt

Nun aber zu den einzelnen Titeln:

Der neue Stil zeigt sich schon im ersten Track, der genauso heißt wie die CD selbst, nämlich „Dreckfresser“. Das Stück kommt ziemlich aggressiv daher, was mich zu diesem Zeitpunkt ziemlich überrascht hat. Es handelt sich um einen flotten Track der sich zum Tanzen, wenn nicht sogar zum Headbangen eignet. Schade ist nur, dass der Gesang von den dominanten Gitarren etwas zurückgedrängt wird. Textlich wird mal so richtig mit dem Musikbusiness und mit nervigen Hasskommentaren im Internet abgerechnet.Allerdings nicht ohne das eine oder andere Augenzwinkern. Ein Einstieg nach Maß also, der leider abrupt aufhört.

Schnell geht es auch in „Barfuß am Strand“ weiter. Hier gefiel mir besonders der Refrain der trotz des Tempos sehr romantisch ist. Leider ist das Stück etwas kurz geraten. Für meinen Geschmack hätte der Chorus ruhig noch 10 Mal wiederholt werden können…

Mit „Salomon“ wagt sich Metusa in biblische Gefilde. Mir ist das Lied nicht sonderlich im Kopf geblieben, aber solide ist es allemal.

Der vierte Song heißt „Alles wird still“. Es handelt sich um die erste romantische Ballade auf dem Album. Dominik singt hier abwechselnd mit Alanna. Gerade dieses Wechselspiel hat mich begeistert. Auch textlich ist es ein wahres Meisterstück.  Musikalisch wird hier etwas zurückgefahren. Der Gesang steht im Mittelpunkt und das ist auch gut so.

Eines meiner Highlights auf der Platte ist „Du gehst mir auf den Sack“. Ein rotzfreches Stück, was mir aus der Seele spricht. Ein musikalischer Stinkefnger „to go“ sozusagen. Ich bin mir sicher, dass dieses Lied ein echter Live-Kracher wird.

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Einblick in das Booklet

Als nächstes steht „Halt mich fest“ auf dem Menü. Die Strophen werden komplett von Alanna gesungen. Ein witziger Text liegt hier zugrunde, der nicht gänzlich musikalisch getragen werden kann. Irgenwie fehlt hier der gewisse „Kick“. Leider einer der Schwachpunkte auf dem Album.

„Krieger“ ist ein Lied für alle Alltagshelden, die nie genügend gewürdigt werden. Beispielsweise wird Feuerwehrleuten und Ärzten die Ehre erwiesen. So ein Lied kann natürlich nie lang genug sein.  Zuviele wichtige Personengruppen gibt es, denen nicht genug Respekt gezollt wird. Die Band hat hier natürlich trotzdem ihr möglichstes gegeben. Ein wirklich schöner und wichtiger Track.

„Die, die gehen“ hat mich textlich zuerst an „Wenn ich tot bin“ von LunaLuna erinnert, ein Lied welches Metusa Live auch im Repertoire hat. Es ist nur aus einer anderen Perspektive geschrieben.  Die Message lautet kurzgesagt, dass der Tod nicht traurig sein muss. Die Hinterbliebenen sollen den Verstorbenen feiern und nicht seinetwegen in Depressionen versinken. Eine tolle Botschaft, verpackt in einem echten Ohrwurm-Track.

Es folgt „Die Party“. Mit dem Titel ist auch schon das Thema gegeben. Es wird eine ideale Party beschrieben. Meins ist es nicht, schlecht ist das Lied aber keineswegs. Eines der punkigsten Stücke auf der Scheibe.

Der zehnte Track heißt „Übers Meer“. Wem das bekannt vorkommt, der liegt goldrichtig. Es handelt sich um eine Coverversion des Rio Reiser-Klassikers. Eine schöne Interpretation, bei der Dominiks Stimme toll zu Geltung kommt. Eine fantastische gesangliche Leistung in meinen Ohren.

Damit sind wir auch schon beim vorletzten Stück angekommen. „Alles ist Dunkel“ ist auch gleichzeitig die erste Singleauskopplung. Ein Song mit Ohrwurmpotential und ein echter Hochpunkt so kurz vor Schluss. Tolle Gitarren, toller Gesang und ein ansprechender Text machen es zu einem unbedingten Anspieltipp.

Den Abschluss bildet eine entspannte Interpretation des Kinderlied-Klassikers „Der Mond ist aufgegangen“, mit dem die Hörer sanft aus dem gut 45-minütigen Werk geleitet werden.

Fazit: „Dreckfresser“ ist eine tolle Platte mit nur wenigen Durchhängern. Es ist ein neuartiges und spannendes Erlebnis, ein ziemlich genialer Streich also. Trotzdem ist und bleibt Metusa für mich eine Live-Band. Niemals kann eine CD rüberbringen, was diese Band in 90 Minuten auf der Bühne darbietet. Bleibt mir nur zu sagen: Kauft diese Platte! Aber noch viel wichtiger: Schaut euch Metusa Live an! Genügend Gelegenheiten gibt es diesen Sommer ja zum Glück.

 

Sound: 8/10

Texte: 7/10

Konzept: 7/10

Ausstattung: 8/10

Wertung: 7,5/10

 

Die Tourtermine findet ihr auf der Facebook-Seite der Band hier..

Kaufen könnt ihr das Album im offiziellen Band-Shop hier..

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