Stimmungsvolle Reise

Na, wer von euch kennt Neurotech? Wahrscheinlich die wenigsten, denn das Ein-Mann-Projekt des slowenischen Electronic-Musikers Wulf wird leider oftmals unter Wert gehandelt. Denn nicht nur seine Musik ist einzigartig, sondern auch das Vertriebsmodell: Alle Alben sind vom ersten Tag an für jeden kostenlos. Das Projekt finanziert sich lediglich aus freiwilligen Zahlungen für die Downloads und dem Verkauf von CD’s und anderem Merchandise. Und das scheint sich zu lohnen, denn der Output ist ziemlich hoch. Jedes Jahr gibt es mehrere Veröffentlichungen.

Seit dem 05.06.2016 ist ein neues Album erschienen: „In Remission„. Und darum soll es heute gehen:

Los geht es mit „Retrieve“, dem 3-minütigen Intro dieses Werkes. Schon hier baut sich eine epische Spannung auf. Die Synthesizer kommen voll zum Einsatz. Der Text hingegen ist simpel: „Dream/Envision/Retrieve/Recondition“.

„As Will Ascends“ heißt das zweite Stück. Für Neurotech-Verhältnisse schon fast eine Ballade. Die Strophen sind extrem ruhig und der Refrain nimmt auch nie wirklich Fahrt auf. Musikalisch keine Glanzleistung aber der doch sehr persönliche Text gefiel mir gut.

Als drittes Lied folgt „Divided Bliss“. Musikalisch gut. Textlich genial. Sehr melancholische, fast schon pessimistische Zeilen werden uns dargeboten, bis am Ende doch noch eine Wendung zum Positiven vollzogen wird. „From the gutte of emptiness/I utter my everything/Caught in the web and I dont’t care/Anymore“ Ein Meisterstück!

Mit „The Lost Hope“ geht es nun weiter. Dieses Stück kommt dem typischen Neurotech-Sound aus Synthesizern, E-Gitarren und verzerrtem Gesang definitiv am nächsten. Das ist Segen und Fluch zugleich: Einerseits macht es dies zu einem guten Lied, andererseits klingt es für Fans wie „schonmal gehört“. Immerhin wird hier im Gegensatz zu den beiden kurzen Vorgängern eine ordentliche Laufzeit von 7 Minuten geboten.

Der fünfte Song „Reprogram“ schlägt eine Brücke zum Intro. Wieder sind nur 4 Worte zu hören. Ein kurzes, unheimliches Stück. Grandios!

Und schon sind wir beim vorletzten Track angekommen. „Evolving Equations“ heißt er und ist mein Highlight dieses Albums. Hier rücken die Gitarren deutlich mehr in den Vordergrund. Außerdem ist es der nächste grandiose Text auf diesem Album. Kostprobe gefällig? „Calling your name/This may never end/Resolving/I’m calling your name/This may never end/Again“.

Mit knapp 9 Minuten das längste Stück auf dem Album und gleichzeitig das letzte: „Alleviate“. Ein ruhiger und absolut würdiger Abschluss dieses Werkes. Soll heißen: Der mit Abstand beste Text auf dem Album! Selten hat ein Lied eine so bedrückende Stimmung bei mir ausgelöst, wie dieses. Besser geht’s nicht: „Forsaken self/Accepts nothing in return/Nothing/The sound of rain/washes me from within“. Dies sind nur einige der vielen genialen Zeilen hier. Und somit neigen sich die 35 Minuten Spielzeit des Albums zuende.

Fazit: Mit „In Remission“ ist Wulf ein Glanzstück gelungen. Musikalisch zwar mehr vom Gleichen und alles wie immer, aber textlich eines der besten Werke, die ich seit langem gehört habe. Das hätte ich in dieser Form niemals erwartet. Wer dieses Album nicht hört, ist selbst schuld!

Sound: 10/10

Texte: 9/10

Konzept: 8/10

Ausstattung: 7/10

Wertung: 8,5/10

 

Hier noch ein Trailer als Vorgeschmack:

Erhältlich ist das Album bisher nur digital auf Bandcamp als „name your prize“-Download. Ihr könnt also selber entscheiden, was ihr zahlt. Zwar ist 0€ auch eine gültige Eingabe, aber bitte unterstützt den Künstler mit ein paar Euro. Auf der Seite gibt es auch alle anderen Veröffentlichungen zu erwerben.

Außerdem sind alle Werke von Neurotech auch jederzeit auf Youtube abrufbar.

 

Advertisements