Altbewährtes und flache Texte

„Voll auf die Fresse!“ – Das ist wohl das Motto, unter dem der neue Longplayer von In Extremo steht, zumindest wenn man dem Cover Glauben schenkt. „Quid Pro Quo“ (zu deutsch soviel wie: „Geben und Nehmen“) heißt das Stück und ist seit dem 24.06.2016 erhältlich. Sowohl als normale CD, als auch als limitierte Version mit 3 Bonustracks und als exklusive Fanbox mit allerhand weiterer Gimmicks kann man das Album bekommen. Ich habe mich für die mittlere Variante entschieden (Kostenpunkt: 20€).

Das Artwork isr schonmal voll nach meinem Geschmack: brutal, rau und blutig geht es zu. Zentrales Motiv ist eine Kneipenschlägerei. Und auch musikalisch soll es diesmal wieder hart zugehen. Ich bin gespannt und drücke auf „Play“:

 

Aufgeklappt
Aufgeklappt sieht es so aus.

Mit Dudelsäcken und Sprechgesang wird eine rockige Hymne über „Störtebecker“ eingeläutet. Ein Piratenlied von In Extremo? Ja! Und ein ziemlich gutes noch dazu. Der flotte Refrain bleibt schon nach dem ersten Mal hören im Ohr. Ein garantierter Live-Kracher!

„Wir plündern nicht, wir rauben/Wir beten nicht, wir glauben…“

 

Das zweite Lied heißt „Roter Stern“ und ist ein Loblied auf Russland. Verständlich, denn die Band hat dort viele Fans. Unterstützung holte man sich hier von Hansi Kürsch von „Blind Guardian“. Um dieses Stück zu mögen muss man wahrscheinlich etwas mit dem Land und seiner Kultur anfangen können. Das kann ich nicht. Außerdem mutet der Refrain eher wie ein Schlager an und hätte auch von „Dschingis Khan“ sein können. Insgesamt eher schwach.

„Roter Stern, oh roter Stern/Vom Wodka nass die Lippen…“

 

Das Titellied folgt als nächstes. „Quid Pro Quo“ hat eine einfache Aussage: Alles kostet Geld und das ist schlecht. Es geht nur noch ums Nehmen und wer gibt ist doof. Die Strophen hätte auch ein Viertklässler schreiben können. Einzig der Refrain macht etwas her. Profaner kann man Kapitalismuskritik wohl nicht formulieren. Zumindest musikalisch überzeugend.

„Alles für Geld, immer nur Geld/Überall Geld, denn Geld regiert die Welt…“

 

„Pikse Palve“ ist das erste fremdsprachige Stück und könnte so auch auf jedem Mittelaltermark aufgeführt werden. Dudelsack und Schlagwerk bestimmen das Geschehen hauptsächlich. Leider fehlt im Booklet jegliche Information über den Ursprung des Liedes oder die Bedeutung des Textes. Schade. Ein Zitat spare ich mir also an dieser Stelle.

 

Booklet
Immerhin sind alle Texte im Booklet.

Mit „Lieb Vaterland, magst ruhig sein“ begibt sich In Extremo auf die Anti-Kriegs-Schiene. Ich müsste lügen, wenn ich sagte, dass mir bei den singenden Kinderstimmen nicht zumindest ein kleiner Schauer über den Rücken lief. Mit diesem Thema kann man eigentlich nie etwas falsch machen. Es gibt allerdings bessere Vertreter dieser Sparte. Auch in der eigenen Szene!

„Am Ende steht mir zu der Lohn/Es rollt mein Kopf vor deinem Thron…“

 

Weiter im Text mit einer Kooperation mit „Heaven Shall Burn“: „Flaschenteufel“. Eine hübsche Geschichte, über die ich hier nicht zuviel verraten möchte. Eine runde Angelegenheit und einer der Glanzpunkte auf der Scheibe.

„Und der Teufel lacht/Welch Niedertracht…“

 

Das siebte Stück heißt „Dacw ‚Nghariad“. Und schon wieder das gleiche Problem: Keine Notitz über Ursprung oder Bedeutung des Textes.  Aber wieder ein gutes Lied mit geilen Metalparts.

 

„Moonshiner“ nennt sich das nächste Lied. Singen In Extremo jetzt schon Englisch? Keine Panik, der Text ist komplett in deutsch gehalten und der Titel somit irreführend.Ein typisches In Extremo Durchschnitts-Lied. Es geht ums Saufen und der Refrain ist simpel und zum Mitsingen und Mitschunkeln prädestiniert. Ganz nett.

„Oh Monschein, oh Mondschein/Keiner liebt dich so wie ich…“

 

Nun folgt „Glück auf Erden“. Ein dümmlich, undurchsichtiger Text gepaart mit übelsten Einheitsrhytmen und Melodien aus der Hölle. Ein peinlicher Ausrutscher!

„Gib die Hoffnung niemals auf/Es wird schon werden…“

 

Dann folgt schon wieder eine Hommage an Russland. „Schwarzer Rabe“ wird sogar in der Landessprache gesungen. Siehe oben. Ich beherrsche kein Russisch und kann auch sonst mit dem Land wenig anfangen. Immerhin klingt das Stück ansonsten ziemlich gut.

 

Das reguläre Album wird mit „Sternhagelvoll“ abgeschlossen. Dies ist auch die erste Singleauskopplung, zu der es sogar ein 360Grad Video gibt (scrollt dafür zum Ende des Textes). Das Beste kommt zum Schluss trifft es hier ganz gut. Der Text ist witzig und die Melodie bleibt ewig im Ohr. Versprochen!

„I spent all my money/on whiskey and beer…“

 

Für Käufer der limierten Version gibt es noch drei weitere Songs:

„Wen das Licht angeht“ ist allenfalls Durchschnittskost.

„Palästinalied 2“ die geile Fortsetzung eines In Extremo Klassikers.

Und mit einer akustischen Version von „Quid Pro Quo“ geht das Werk nach 53 Minuten zuende.

Eine ziemlich kurze Spielzeit, wenn man bedenkt, dass Käufer der normalen CD 3 Songs weniger bekommen, also bei unter 45 Minuten landen.

 

Booklet
Sieht doch eigentlich ganz schön aus.

Fazit: Das erste Album der Band, welches mich echt enttäuscht hat. Starke Songs wechseln sich hier ab mit grauenhaftem Füllmaterial. Es läuft einfach nichts rund. Allen Fans empfehle ich, unbedingt vorher reinzuhören. Die gute Nachricht: Ein schlechtes InEx-Album ist immernoch ein insgesamt vernünftiges Album.

Sound: 6/10

Texte: 5/10

Konzept: 7/10

Ausstattung: 6/10

Wertung: 6/10 Punkten

 

Kauft es hier.

Webseite und Facebookauftritt der Band.

Anbei noch das versprochene Video:

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