Liedermacher mit Herz und Verstand

Über das neuste Werk des folgenden Künstlers zu schreiben ist mir ein inneres Anliegen. Die Rede ist von Sören Vogelsang, der vielen sicherlich als Teil des Duos „Das Niveau“ bekannt sein dürfte. Da dieses Projekt jedoch derzeit aufgrund des Ausstiegs seines Bandkollegen pausiert, nutzte Sören die Zeit um ins Studio zu gehen und sein zweites Soloalbum zu produzieren. Seine erste CD „Augenblick“ ist bis heute Dauergast in meinem Player und war 2011 für mich ein wahrer Augen- oder besser Ohrenöffner.

Schon das erste Album wurde seinerzeit über die Plattform Startnext finanziert und es kamen gut 7000€ zusammen. Mit der neuen Scheibe „Fernweh“ wurde diese Marke jedoch pulverisiert: Fasr 22000€ investierten die Fans beim Corwdfunding in signierte CDs, exklusive T-Shirts, Fotobücher, Meet&Greets oder gar Wohnzimmerkonzerte. Erstmals gab es auch eine auf 500 Stück begrenzte Limited Edition. Und genau diese werde ich heute rezensieren:

Booklet
Das Booklet gehört dank der tollen Zeichnungen zu dem Besten, was ich seit langem sehen durfte.

Das erste Lied nennt sich „Ich bin Ich“. Hier stellt sich der Künstler seinen Hörern erstmal persönlich vor. Sehr höflich, wie ich finde. Der Song strotzt nur so von positiver Energie und Lebensfreude. Man muss ihn einfach lieb haben. Ein flotter Einstieg, der sogar einen witzigen Rap-Part enthalt.

Track zwei heißt „Zwei“. Klingt komisch, ist aber so. Hier wird nochmal deutlich Tempo draufgelegt und der Text erzählt eine hübsche kleine Liebesgeschichte. Guter Song.

Jetzt folgt der Titeltrack „Fernweh“. Für mich einer der stärksten Songs auf dem Album. Der Refrain bleibt sofort im Ohr und das Gefühl der Abenteuersuche und Heimatlosigkeit wird perfekt eingefangen.

„Abschiedslied“ ist die erste Ballade auf der CD. Es geht um eine verflossene Liebe, darum loszulassen und bloß nicht Freunde zu bleiben. Eine wunderschöne ruhige Nummer.

Mein persönlicher Favorit auf dieser Scheibe ist „Die Zeit“. Das Stück erzählt von der heilen Welt der Kindheit und von volkommener Sorglosigkeit. Es ist ein wirklich bewegendes und persönliches Stück Musik und eine Aufforderung das Leben in vollsten Zügen zu genießen.

Mit dem sechsten Lied namens „Fick Dich“ geht es in die entgegengesetzte Richtung. Ein herrliches Wutlied auf nervige Alltagssituationen. Das Lied spricht wohl jedem aus der Seele. Ein akustischer Stinkefinger.

„Beziehungswaise“ ist eine Hymne für alle Singles auf dieser Welt. Eine Reggae-Nummer gab es auch schon auf dem letzten Album, aber diese hier ist eindeutig besser. Liebeslieder gibt es schon genug auf dieser Welt, da tut dieses Stück mal ganz gut.

„Gutmensch“ konnte mich nicht komplett überzeugen. Um es mit einem Zitat aus dem Song zu sagen: „Auch ein gutes Maß ist irgendwann mal voll“. Man kann es mit der Gutherzigkeit auch übertreiben. Ich bin also kein guter Mensch, nur weil ich Fleisch esse? Zumindest ist das Lied ein gutes Statement in einer Welt, wo das Wort „Gutmensch“ zu einer Beleidigung verkommen ist und es geht auch musikalisch gut ins Ohr.

Das nächste Stück heißt „Yeti“ und hätte genauso gut von „Das Niveau“ stammen können. Habt ihr schonmal über Sex mit einem Yeti nachgedacht? Nein? Dann hört euch dieses Lied an und ich garantiere euch, dass ihr danach an nichts anderes mehr denken könnt.

Mit Titel zehn namens „Kalsarikännit“ geht es auf die Zielgerade. Ich musste das Wort erstmal nachschlagen. Es ist finnisch und bedeutet „sich allein zu Hause in Unterhose zu betrinken“. Wie sympathisch, dass die Finnen dafür ein eigenes Wort haben. Und wie toll, dass es nun auch ein Lied darüber gibt.

Das letzte Lied auf der regulären CD ist „Mädchen aus Glas“. Eine Ballade zum Abschied und ein ungewöhnlich traurigesLied. Leider hat es mich nicht so sehr berührt wie zum Beispiel das ähnlich schwermütige „Sehnsucht“ vom Vorgängeralbum. Trotzdem ein guter Song. Besonders der Klang der Streichinstrumente gefielen mir.

Für Käufer der limitierten Version gibt es noch einen Remix von „Augenblick“ aus dem gleichnamigen Debütalbum von Sören Vogelsang. Schöner kann man ein solches Werk nicht abschließen.

IMG_20160720_144029
In der Limited Edition gibt es noch einige zusätzliche Seiten im Booklet.

Fazit: Sören Vogelsang beweist nun zum zweiten mal seine außergewöhnliche Begabung als Barde und Liedermacher. Leider ist das Werk schon nach gut 47 Minuten zuende. Es ist zwar poppiger und weniger mittelalterlich als „Augenblick“, dafür ist es zeitgemäß und ehrlich. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass dieses Album sogar noch besser ist als sein Vorgänger. Aber mit ausgefeilten Texten, wunderschönen Melodien und vielseitigem Gesang liefert der Barde ein Album ab, welches noch in Jahrzehnten seinesgleichen suchen wird.

Sound: 9/10

Texte: 9/10

Konzept: 9/10

Ausstattung: 9/10

Wetung: 9/10 Punkten

 

Hörproben gibt es hier:


Letzte Exemplare der limitierten Fassung könnt ihr noch bei Miroque bestellen.

Besucht Sören bitte auch bei Facebook und kommt zu seinen Konzerten.

Advertisements