Der Altmeister macht Laune

Der „Fürst der Finsternis“ hat mal wieder zugeschlagen. Joachim Witt legt schon ein Jahr nach seinem Meisterwerk „Ich“ ein neues Album nach. Die Ideen gehen ihm wohl einfach nicht aus und so wurde auch 2016 wieder eine Pledge-Kampagne zur Finanzierung eines neuen Silberlings erfolgreich durchgeführt. Für die Öffentlichkeit erfolgt der Release am 9. September, aber bereits seit einigen Wochen können Crowdfunding-Unterstützer das komplette Album Herunterladen und genießen. Ich habe dies ausführlich getan (ca. 20 Durchläufe) und schreibe nun ein paar Zeilen meiner Sicht, wie immer Song für Song:

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Das Booklet – schön gestaltet. Prägnante Textstellen sind besonders hervorgehoben.

Einheit:

Es geht bereits brachial los auf diesem Album mit diesem Opener. Witt stellt mal wieder unter Beweis, dass er die Hörer abholen und mitreißen kann wie kein Zweiter. Inhaltlich wird uns eine düstere Zukunft ohne die Sprichwörtliche Einheit prophezeit. Perfekt für die tiefe Stimme des Sängers geeignet.

Geh deinen Weg:

Manchmal kann man sich wirklich in einem Song täuschen. Nachdem mich die erste Strophe dieses Songs fast zu Tode gelangweilt hat, ist der Chorus eine wahre Wucht. Perfekt zum abgehen und mitgröhlen. Die Botschaft passt auch einfach: „Lass die Gefühle raus! Geh deinen Weg!“

Rain from the past:

Keine Panik! Der Witt fängt nicht plötzlich an Englisch zu singen, der Titel ist irreführend. Wir haben hier eine einfach gestrickte Popnummer, die leider nur in den Strophen überzeugen kann. Der Text über Veränderungen in der Welt und der Frage: „Wer hat noch den Mut es zu dreh’n?“, ist ziemlich genial.

Tag für Tag:

Dieser Song knüpft direkt an den Vorgänger an und beschreibt einen Menschen, der sich nicht an die Gesellschaft gewöhnen kann und mit zu vielen Fragen überfordert ist. Ein Song der trotzdem Mut macht. Der Refrain geht schnell ins Ohr und ein nettes Gitarrensolo ist auch dabei.

So oder so:

Zweifellos der persönlichste Song auf dem Album. Hier thematisiert Joachim Witt unter anderem seinen Hausbrand vor einigen Monaten. Die Botschaft bleibt: Es wird trotzdem weitergehen! Meine absolutes Lieblingslied auf der Scheibe trotz oder gerade wegen des genial schrägen Gesangs.

Alle Nicken:

Was nun folgt, ist die obligatorische Rammstein-Nummer. Mit leicht tuntigem Gesang wusste Witt schon auf dem letzten Album zu überzeigen. Ein wunderbar selbstreferenzieller Song bei dem man einfach mitnicken muss.

Winterwald:

Ein Stück ohne Höhen und Tiefen und damit der langweiligste auf dem ganzen Album. Trotz allem aber keinesfalls schlecht. Es bleibt Kritik auf extrem hohem Niveau

Wenn du mich rufst:

Eine wunderschöne Ballade über Empathie, Treue und Hilfe in schweren Zeiten. Einfach berührend und fantastisch gesungen. Nur vielleicht etwas zu lang.

Weit ist der Weg:

Das zweite und zum Glück auch das letzte Lowlight auf diesem Album. Zumindest etwas flotter als „Winterwald“. Außerdem gibt es hier einen für Witt-Verhältnisse extrem postiven Text. Auch das Finale ist durchaus gelungen.

Lebe dein Leben:

Die erste Singleauskopplung. Ich hätte zwar ein anderes Lied gewählt, aber dieses ist auch ganz gut. Poppig, massentauglich, mutmachend. Der Text ist nicht besonders ausgefeilt aber auch nicht wirklich billig. „Lebe dein Leben! Hör‘ auf dein Herz!“, eine versöhnliche Aussage.

Thron:

Und damit sind wir schon beim letzten Lied angekommen. Hier wird mehr gesprochen als gesungen, was bei Joachims tiefer Stimme einen kräftigen Schauder verursacht. Ein perfekter Abschluss für dieses Werk.

 

Fazit: Das Gesamtpaket stimmt. Die Musik von Joachim Witt ist immer experimentell, immer neu und andersartig. Trotz kleinerer Makel ist diese Scheibe so nah an der Perfektion wie schon lange keine mehr. Hoch emotional und fesselnd, verursacht dieser Ausnahmekünstler offene Münder und lässt einen so schnell nicht wieder los.

Bitte, bitte kauft dieses Album!

Sound: 9/10

Texte: 10/10

Konzept: 10/10

Ausstattung: 9/10

Wertung: 9,5/10

 

 

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Hier könnt ihr in alle Songs reinhören:

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