Düsternis in drei Akten

Ich habe in letzter Zeit ein besonderes Faible für schwere und ausufernde Ambient-Musik entwickelt. Ende letzten Jahres hat mich zum Beispiel das Album „Older Terrors“ von Esben and the witch sehr beeindruckt. Einen ähnlichen Stil hat die schwedische Gruppe NOÊTA auf ihrem neuen Album „Beyond Life and Death“ umgesetzt. Hallender Gesang, weite Arrangements und eine Stimmung wie in einem Gruselwald. Mehr brauche ich gar nicht um glücklich zu sein. Aber können NOÊTA anderen Genre-Vertretern das Wasser reichen? Oder steckt in ihrere Musik gar noch viel mehr Tiefe? Ich habe es herausgefunden:

Booklet
Da man die Texte aufgrund des langgezogenen Gesangs kaum versteht, ist das Booklet seht hilfreich.

Mit einem Blick auf die Titelliste fällt auf, dass das Werk in drei Teile aufgeteilt ist. Der erste davon, und damit natürlich auch das ganze Album, wird eingeläutet von „Beyond Life“. Zuerst ein leises Klopfen, welches sich dann langsam zu einem Rhytmus formt. Dann eine Stimme, die den ganzen Raum einnimmt. Sie erzählt von seltsamen Gefühlen und dunklen Gedanken und lässt mich, ebenso wie die Protagonistin, atemlos zurück.

„A flood of undefined emotion/I get swallowed by predefined tokens.“

Es schließt sich das Stück „In Drowning“ an. Es wird von ruhigen Gitarrenklängen getragen. Der Text handelt von der Erlösung von all jenen im ersten Lied angesprochen lästigen und schweren Gefühlen, durch den eigenen Tod.

„I take comfort when I drown/When I get stripped of all that’s inside me/…“

Teil eins wird beendet mit „Darkest Desires“. Textlich konnte ich mit diesem Stück wenig anfangen und es hat mich auch nicht so in seinen Bann gezogen wie die beiden ersten Songs. Hier hat sich beim Hören erstmals etwas Ernüchterung eingestellt.

„I eat your flesh and feed your darkest desires/You will become me/…“

Der zweite Teil des Albums startet mit dem Instrumental „Pneûma“. Man fühlt sich hineinversetzt in ein böses Ritual in einem dunklen Wald, Gänsehaut inklusive. Manchmal braucht es für eine solche Stimmung gar keine großen Worte.

Bei „In Void“ wird wieder gesungen. Es geht im weitesten Sinne um das Innere Empfinden einer depressiven Person. Dies wird in lebendigen Bilden auf eindrucksvolle Weise dargestellt. Textlich ist es das stärkste Stück auf dem Album und auch die Instrumentierung lässt keine Wünsche offen. Bravo!

„An empty field meets the fog/a thick forest shields, a dying star.“

Mit „Dead Soil“ geht dann auch der zweite Teil zu Ende. Dass man versucht aus dem eben beschriebenen Szenario auszubrechen wird hier in ähnlich tollen Bildern beschrieben. Für meinen Geschmack ist das Stück aber etwas zu lang. Die Grenze des Zumutbaren wurde überschritten, wenn auch nur leicht. Kurz gesagt: Dieser Song funktioniert einfach nicht.

„Hiding a secret soul/In a plain, of a dying field.“

Der dritte und letzte Teil ist nun erreicht. Mit „Beyond Death“ wird die Brücke zum Anfang geschlagen und der Titel komplettiert. Der Text bleibt gewohnt kryptisch aber vielleicht wäre auch hier weniger mehr gewesen. Der Gesang hingegen beeindruck bei diesem Titel besonders.

„I get suspended in dreams, every waking moment/Fumbling in the obscene, each awaken slumber.“

Der vorletzte Streich kommt in Form von „In Thunder“. Passen zum Titel ist der Sound gewaltig, genauso wie der Inhalt. Das Lied zeichnet ein apokalyptisches Szenario und erzählt von der Kraft der Natur und der Schwäche des Menschen.

„Thunder roar, axiety of heavens/Rain still pours in end, and beginning/…“

Gibt es so etwas wie eine Seele? Und wenn ja, was genau ist es? Mit diesen leicht bekömmlichen fragen beschäftigt sich der letzte Titel namens „Urkaos“. Der Text wird nur gesprochen und minimal untermalt. Kurzum: Ein passendes Ende.

„Is the soul only a narrative, is it a story that we keep telling ourselves every day?“

 

Fazit: Das Potential für ein Meisterwerk war durchaus da. Leider wurde es nur teilweise genutzt. Mir gefiel die Thematische Aufteilung in drei Parts, nur leider hatte jeder Teil neben den tollen Momenten auch so seine Schwächen. Durch diese Ambivalenz wird man nie ganz hineingesogen und das ist es schließlich, was diese Musikrichtung ausmacht. Das Album ist gut. Hätte man den schönen Ideen mehr Raum zum Atmen gegeben, wäre ein sehr gutes Album daraus geworden.

Sound: 7/10

Texte: 6/10

Konzept: 8/10

Ausstattung: 8/10

Wertung: 7,25/10 Punkten

 

Wer die CD sein Eigen nennen möchte, klickt bitte hier.

Für mehr Infos zur Band hier entlang.

Für den ersten Eindruck solltet ihr euch das Musikvideo ansehen:

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