Kaum noch Mut im Traum(a)land

Shadows in the dark legen drei Jahre nach dem letzten Langspieler „Dunkelziffer“ ein neues Werk mit dem mysteriösen Titel „Trauma:Ritual“ nach. Von den Fans wurde es sehnsüchtig erwartet und von der Fachpresse gelobt. So hat sich meine Vorfreude natürlich auch enorm gesteigert. Ob darauf die Ernüchterung folgt, verrate ich euch nun.

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Das optische Konzept ist wie gewohnt sehr stimmig.

1) Puls:Schlag (7:25 min.)

Das Album beginnt mit einem Novum für die Band. Erstmals hat man einen musikalischen Gast auf einem Album dazugeholt. Und zwar keinen geringeren als Dennis Schober von Solitary Experiments. Aber nicht nur er macht diesen Song zu einem tollen Einstieg in das Werk. Auch die Art, wie Texter Carsten Jacek mit den Worten arbeitet ist wie immer schön und einzigartig in der elektronischen Musikszene., welche in der Regel nicht für besonders tiefgehende Lyrik bekannt ist.

2) Cicatrix (4:52 min.)

Hier wird der Albumtitel erstmals direkt aufgegriffen. Dieser Song ist deutlich einfacher gestrickt als der Erste, aber macht trotzdem viel Spaß. Viel länger hätte er allerdings nicht sein dürfen.

3) Genesis (4:45 min.)

Straight forward geht es in diesem Lied zu und auch das Aggressions-Level steigt merklich. Die Strophen gefallen mir sehr gut, aber der Refrain hätte ruhig etwas vielseitiger sein können. Das gilt sowohl textlich als auch musikalisch.

4) Brother Death (5:40 min.)

Dieses Stück wurde schon vor einiger Zeit als Single veröffentlicht und kam bei vielen Fans nicht besonders gut an. Ich finde den Song nicht schlecht, halte ihn aber auch nicht für ein Vorzeigebeispiel für das ganze Album. Der Rhythmus ist mitreißend und der Text in Ordnung. Kein schlechtes Lied.

5) Companion (5:34 min.)

Ein wunderschöner Text wird hier mit dem passenden Sound kombiniert und erzeugt ein fantastisches Stück Musik über die Freundschaft. Die Stimme des Sängers wirkt leider aufgrund des Rahmens eher blass, was an dieser Stelle aber zu verschmerzen ist.

6) Post-Factual Age (4:34 min.)

Ein Instrumentalstück basierend auf Zitaten von Präsident Donald J. Trump. Dieser ist natürlich ein denkbar einfaches Ziel für Spott und Hohn, aber das ist hier egal. Politik in der Kunst ist wichtig und daher ist auch dieses Stück wichtig.

7) Mundlos (5:00 min.)

Die deutschen Stücke von SITD haben mir schon immer etwas besser gefallen als die Englischen. Dieses hier reiht sich mühelos ein. Der Song ist reduziert auf das Wesentliche und gerade deswegen auch so genial. Und auch die politische Botschaft gegen Krieg und Gleichschaltung ist gelungen umgesetzt worden.

8) Walls Have Eyes (4:55 min.)

Auch über dieses Stück weiß ich nichts negatives zu berichten, außer vielleicht dass es etwas zu vertraut klingt. Aber dies ist in diesem Genre nach einer bestimmten Zeit wohl nicht zu vermeiden.

9) Elegie (5:33 min.)

Besonders der Refrain ist in diesem deutschen Song unfassbar genial. Wenn nur nicht die Strophen so stumpf wären. Diese Ambivalenz verhindert leider ein ganz großes Meisterwerk. Musikalisch zeigt sich die Band hier mal wieder on ihrer differenzierten Seite.

10) Zenit (8:12 min.)

Dieses lange und letzte Stück hat einen sehr guten Aufbau und besitzt die nötige Epik um als Outro zu funktionieren. Etwas weniger Pathos hätte dem Titel aber gut getan.

 

Die limitierte CD-Version kommt mit einer Bonus-CD mit Remixen, alternativen Versionen und einem zusätzlichen Bonustrack. Die Spielzeit beträgt ca. 30 Minuten. Ich empfehle euch die Anschaffung dieser Variante.

Hörproben gibt es im folgenden Video:

Fazit: Es gibt wenig an dem Album auszusetzen und dennoch fehlt irgendwas. SITD können guten Aggrotech produzieren aber wo bleibt der Fortschritt? Wo der Mut? Diese Kritik aber mal beiseite gelegt, sehe ich keinen Grund, dieses Album nicht zu kaufen.

Sound: 8/10

Texte: 6/10

Konzept: 5/10

Ausstattung: 8/10

Wertung: 6,75/10 Punkten

 

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