Ein Trip durch Himmel, Hölle und Alles dazwischen

Die Band Eden weint im Grab (kurz E.w.i.G.) läuft in der schwarzen Szene leider Gottes weitestgehend unter dem Radar, wie so viele großartige Künstler. So hat ihr neues Konzeptalbum „Na(c)htodreise“ auch nicht so viel Aufmerksamkeit im Vorfeld bekommen, wie es verdient hätte, denn es handelt sich um ein fantastisches Werk, soviel sei verraten. Laut Eigenbeschreibung richtet sich das neue Album an Fans von Rammstein, Ewigheim , ASP oder auch Eisregen. Nun ja, drei dieser vier Punkte treffen auf mich zu und somit war meine Erwartungshaltung entsprechen hoch.

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Die durchgehende Geschichte kann dank Begleittext und passenden Illustrationen wunderbar nachvollzogen werden.

Mit dem ersten Stück namens „TraumTod“ wird der Hörer in die Geschichte eingeführt. Der Protagonist Paul Helian erlebt den Traum vom Tod am eigenen Leib und wir dürfen daran Teilhaben. Keine Angst, ich werde im Folgenden nicht mehr im Detail auf die Story eingehen, also lest beruhigt weiter. Schon bei diesem ersten Titel wird aber klar, dass es sich bei diesem Album um etwas ganz besonderes handelt.

Der Titel „Bon Voyage (Ein sonderbares Begräbnis)“ wurde schon vorab veröffentlicht und hat mir schon da gut gefallen. Im Gesamtkontext des Albums funktioniert der Song natürlich noch besser. Beim Anhören hat sicherlich jeder seinen eigenen kleinen Film, der im Kopf abläuft.

Übernatürlich wird es dann mit dem Song „Die astrale Wildnis“. Thematisch also ein Quantensprung. Qualitativ finde ich ihn nicht ganz so stark wie die ersten beiden, was vor allem an dem unverständlichen Gesang und dem zu harten und lauten Klang liegt.

Einen angenehmen Ton anschlagend kommt dann „Der Jenseitstroll“ daher. Dies ist vielleicht sogar mein liebstes Stück auf dieser CD. Der Text ist genial und die Klänge fügen sich zwanglos den Worten, dass es eine wahre Freude ist.

Ganz düster wird es, wenn man „Das Höllentor“ durchschreitet. Dieser Titel ist sehr kurz und beinhaltet gesprochene Worte, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen.

Auch im „Limbus“ wird es nicht weniger furchteinflössend. Beim Anhören dieses Songs könnte man sich glatt in der tiefen Klanglandschaft verirren.

Deutlich härter wird es bei „Der Exitus der Schlangen“, denn hier geht es inhaltlich um… eine Orgie (?!) Wie auch immer, nicht das beste Lied dieser Platte, aber zumindest flott und treibend.

Schwermütig und schleppend begeben wir uns auf eine „Kahnfahrt auf dem Acheron“. Ich habe eine Schwäche für diese Art schwerfällige Stücke und liebe auch dieses. Hier nimmt die Geschichte nochmal richtig (Achtung Wortspiel!) Fahrt auf, denn der Text ist großartig und lässt vielfältige Bilder dieses Flusses der Unterwelt vor meinem geistigen Auge entstehen.

Martialisch marschieren die „Legionen Luzifers“ in die Ohren des Hörers und setzen sich in seinem Gehirn fest. Stimmungstechnisch ist dieses laute und dreckige Lied ganz weit vorn und hält am Ende sogar noch einen klugen Twist bereit.

„Die verwaiste Wüstenstadt“ kommt ungewohnt relaxed und lässig daher. Die Intrumentierung ist zurückhaltend und lässt den Worten Raum zum wirken – so muss es sein!

Mit „In der Toten-Taverne“ folgt ein weiteres Meisterwerk auf dem Album. Selbst im Jenseits und selbst in dieser düster-melancholischen Geschichte sind Spaß und Vergnügen keine Fremdwörter. Das wird hier bewiesen. Das Arrangement ist meisterhaft und endlich kommen die Streicher einmal voll zur Geltung.

Eine weitere Ebene wird im „Aevum“ erklommen. Zuerst flüsternd und leise wird es dann wahrhaft episch und reißt die Gedanken und Gefühle direkt an sich.

Tiefer als ich zuerst dachte ist der Song „Sternenmenschen“. Er beschäftigt sich mit interessanten Fragen und Gegebenheiten, die sowohl für den Protagonisten als auch für mich zu weitreichend sind. Erst nach drei Gläsern Wein lohnt es sich wohl, darüber zu philosophieren.

Das Ganze wird durch „Das große Mysterium“ noch einmal auf die Spitze getrieben. Dieser Titel hat mir mit seiner ruhigen und beruhigenden Art insgesamt sogar noch einmal etwas besser gefallen als sein Vorgänger.

Schon sind wir beim „Epilog“ und damit am Ende angekommen. Die Geschichte Endet, aber die Gedanken gehen weiter.

Fazit: So etwas Gutes habe ich seit langem nicht mehr gehört. Der Gruppe rund um Alexander Paul Blake gelingt das Meisterstück in Form einer unvergesslichen Reise im Zusammenspiel zwischen zauberhaften Klangwelten, tiefen Worten, einem schönen Artwort und dauerhaft präsentem schaurigen Kopfkino. 

Deshalb mein Appell:

Geht und kauft diese CD!

Sound: 9/10

Texte: 10/10

Konzept: 10/10

Ausstattung: 9/10

Wertung; 9,5/10 Punkten

Hier eine Kostprobe;

Wenn ihr das Album direkt bei den Künstlern bestellt, hilft es ihnen sehr.

Weitere Infos auf Facebook. (Dort gibt es auch Konzerttermine.)

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