Dark Fantasy von der Stange

Firesphere. Diese amerikanische Band verspricht uns ein völlig neuartiges Klangerlebnis durch ihren Industrial Metal kombiniert mit Techno und epischen Soundtracks. Ein Fantasy-Epos zum hören quasi. Das klingt fast zu gut um wahr zu sein. Und tatsächlich ist das Debütalbum „Requiem“ ein schwieriger Fall. Mehr dazu im folgenden Text.

Um uns diesem Album zu nähern, sollten wir erstmal schauen, woher es überhaupt kommt. Laut Presseinformationen wurde das Album 2016 im DeadAliens Studio in Bushnell, Florida in den USA aufgenommen. Da haben wir es: Dieses „Fantasy-Werk“ kommt also aus dem Land, das mit Fantasy ungefähr so viel am Hut hat wie Donald Trump mit gesundem Menschenverstand. Aus einem Land ohne eine eigenständige Mythologie können wohl kaum gute Fantasy-Welten erwachsen.

Dies bestätigt schon ein Blick auf das Cover. Was soll das sein? Eine Treppe mit Totenschädeln, die ins Nichts führt und ein dunkler Wald der von einem überdimensionalen Mond überragt wird. Es scheint als wolle man auf Krampf eine düster-fantastische Atmosphäre schaffen und möglichst viele Klischees bedienen, ohne Sinn und Verstand.

Es wird sogar versucht, allen Bandmitgliedern eine „Backstory“ zu geben. Jeder einzelne repräsentiert quasi eine bestimmte Figur, sei es ein Priester oder auch ein Schmied. Von Alledem ist dann auf dem eigentlichen Album natürlich nichts zu hören. Ohne Zusammenhang werden hier Banalitäten aneinandergereiht, mit extra viel Pathos, versteht sich. Nein, der Inhalt dieses Albums ist ungefähr so tiefgründig, wie die deutsch-elbischen Texte einer Oonagh.

Manche Texte sind gar so schmalzig, dass sie glatt zum Soundtrack eines Disney Filmes gehören könnten. Wobei der Sound gar nicht mal so schlecht ist. Aber spätestens nach den ersten 4 Songs hat man sich daran satt gehört. Und dann liegen immer noch zwei Drittel des Albums vor Einem.

Wäre dieses Album ein Buch, würde es nach 3 Monaten auf dem Grabbeltisch liegen, wo es dann irgendein armer, unwissender Fantasy-Fan ob des doch ganz ansehnlichen Covers kauft und nach den ersten 50 Seiten enttäuscht beiseite legt, weil das Erlebnis zu konstruiert und generisch ist. Und es gibt bei Weitem bessere Werke. Man muss nur lernen, durch die Fassade zu blicken.

 

Hört hier den Song „Behind These Eyes“:

Album auf Bandcamp.

http://www.firesphere.biz

http://www.darksignmusic.de/

 

**Offenlegung: Ich habe die Veröffentlichung vom Label gestellt bekommen.**

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