Eine Nacht in der Hafenkneipe

Wir befinden uns nachts um vier in einer dreckigen Hafenspelunke bei unserem achten Bier, da entert plötzlich eine 30-köpfige Mannschaft den Raum und fängt zu musizieren an. Sie singen von der See, von der Liebe, vom Trinken und erzählen unglaubliche Geschichten von ihren Reisen. Das Alles erwartet den Hörer der neuen CD von Ye Banished Privateers mit dem Titel „First Night Back In Port“.

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Jede Seite des Booklets ist liebevoll gestaltet. Es gibt viele Details zu entdecken.

 

Der erste Song trägt den Titel „Annabel“ und erzählt die traurige Geschichte einer Frau, die durch tragische Umstände und eigene Fehler einen viel zu frühen Tod stirbt. Trotz der Tragik ist dieses Stück wunderschön anzuhören. Das Musikvideo ist absolut sehenswert.

„A Night At The Schwarzer Kater“ ist ein Trinklied in Reinkultur. Besungen wird die Taverne zum Schwarzen Kater, die jedem MPS-Gänger natürlich ein Begriff ist. Das Lied fängt die sprichwörtliche Katerstimmung perfekt ein und lädt zum Mitgröhlen ein.

Feuchtfröhlich weiter geht es mit „Fist Night Back In Port“, einer flotten und obszönen Partyhymne. Herrlich zweideutig und derbe ist dieser Song und man fühlt sich sofort wie auf einem wilden Saufgelage.

Eine starke Mischung zwischen gefühlvoller Ballade und Temporeichem Stück ist „All The Way To Gallway“. Dieses bleibt dem Stil des Albums treu, ist aber nichts besonderes.

Auf einem Piratenalbum darf eine Hymne auf den schönsten Unfall der Geschichte, den Rum, natürlich nicht fehlen. „Cooper’s Rum“ ist sehr eingängig und macht einfach unfassbar viel Spaß.

„Skippy Aye Yo“ klingt wie ein waschechter Shanty, bei dem man unbedingt mitschunkeln möchte. Wunderbar und eine der größten Stärken dieser Band.

„I Dream Of You“ ist ein Song voller Sehnsucht und Heimweh. Ein Aspekt des Sehfahrerlebens, der immer wieder Thematisiert wird und das auch hier sehr gut funktioniert.

Freiheit und Unabhängigkeit wird in diesem Genre natürlich auch sehr gern besungen. Mit „A Declaration Of Independence“ leisten auch die Privateers dazu ihren Beitrag und haben hier ein wunderbares Stück mit einer Tollen Melodie kreiert.

Unfassbar schön und gefühlvoll ist „For A Fragile Moment’s Ease“. Auch hier wird wieder ein tragisches Schicksal behandelt, in einer Geschichte, der man einfach gerne lauscht.

Das nun folgende „We Are Ye Banished Privateers“ hätte auch der Opener des Albums sein können, beschreibt er doch die Philosophie der Band perfekt und steht auch exemplarisch für den Stil. Ein ganz großer Song!

Mit „Bosun’s Verses“ folgt wieder ein Shanty in dessen Chor man am liebsten sofort mit einstimmen möchte.

Was es bedeutet, zu See zu fahren, davon handelt das Stück „Eastindiamen“. Ein kurzer Song, der aber einen sehr schönen Text und eine noch schönere Melodie besitzt.

„Devil’s Bellows“ hat einen wunderbaren Refrain, ist aber insgesamt viel zu lang, sodass man das Ende des 10-minütigen Song beinahe herbeisehnt.

„Ringaroo at Cooper’s Inn“ ist eine Orgie in Liedform. Es wird von cocks und cunts gesungen, ohne Rücksicht auf Verluste. Dabei ist ein sehr vergnügliches Lied entstanden.

Der letzte Track heißt „Mermaid’s Kiss“ und ist eine wunderschöne Ballade, die durch das entspannte Meeresrauschen beendet wird. Als Hidden-Track folgt dann noch eine gekonnte Interpretation eines alten schottischen Klassikers.

 

Hier das brillante 306Grad-Video zu „First Night Back In Port“:

 

Fazit: Wer in diesem Jahr eine richtig gute Piraten-CD hören möchte, muss weder zu Alestorm greifen, noch auf das neue Pulveraffen-Album warten. Ye Banished Privateers liefern ein so dermaßen gutes Album ab, dass den anderen Genre-Vertretern Angst und Bange werden muss. Mit einer ungeahnten Vielfalt an Stimmen und Instrumenten gelingt der Band ein wahres Meisterstück.

Sound: 10/10

Texte: 9/10

Konzept: 10/10

Ausstattung: 9/10

Wertung: 9,5/10 Punkten

 

Ye Banished Privateers auf Facebook.

Holt euch das Album hier.

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