Uninspiriertes aus Übersee

Epischer Black Metal und düstere Naturmystik – eigentlich ein sicheres Rezept für ein garantiert gutes Album. Dennoch trifft die neue Scheibe von Beorn’s Hall leider überhaupt nicht ins Schwarze. Ein Erklärungsversuch:

Im „Intro“ bahnen sich zunächst martialische Kriegstrommeln einen Weg durch einen heftigen Sturm. Man hört Regen, Wind, Krähen und später Hörner und ferne Stimmen – alles gleichzeitig. Allein das ist schon ziemlich viel auf Einmal und es wird wenig bis gar keine Stimmung erzeugt, die den Hörer mitnehmen könnte. Schon zu diesem Zeitpunkt wirkt alles so gewollt verheißungsvoll und viel zu künstlich.

Als dann das erste Lied namens „Dark Wood Black Marsh“ beginnt, tritt zunächst eine Stimme auf die bis zur Unkenntlichkeit mit Hall-Effekten zerstört wurde, dass keine Chance besteht, irgendetwas zu verstehen. Nun ist es in Black Metal-Kreisen nicht unüblich, wenig Wert auf Lyrik zu legen (bei Beorn’s Hall hat man nicht sogar nicht mal die Mühe gemacht, ein Booklet mit Texten anzufertigen),  aber die Musik die dann noch bleibt, sollte wenigstens ansprechend sein. Dies ist hier nur teilweise der Fall. Alle Stücke sind etwas zu lang geraten und kommen nicht wirklich auf den Punkt. Es herrscht auch hier der Aberglaube vor, dass jeder Song über 5 Minuten automatisch etwas kunstvolles an sich hat. Diese CD ist das beste Gegenbeispiel.

Zwischendurch gibt es ein Paar nette Dungeon Synth-Sounds und dann setzt sich das Spiel mit „Estuary“„Blood for Wotan“ und „The nurturing soil“ weiter fort. Bitte nicht falsch verstehen – handwerklich sind die Stücke schwer in Ordnung. Die Riffs sind düster und schön, die Rhythmen mal treibend und mal schwer und bis auf den Gesang ist auch alles schön abgemischt. Trotzdem kann ich mich dem leichten Eindruck einer Mogelpackung nicht erwehren. Es fehlt das Besondere, es fehlt die Tiefe, die das Cover andeutet (von den leeren Worthülsen der Pressemitteilung möchte ich gar nicht anfangen, diese hat natürlich auch keinen Einfluss auf meine Bewertung).

Ein paar positive Worte möchte ich hingegen über das Stück „Call to ravens“ verlieren, welches nach einem sanften Einstieg eine tolle Dynamik aufbaut und dem geneigten Kritiker einen heftigen Schlag in die Magengrube verpasst. Es geht doch!

Mit „I know you rider“ gibt es dann noch eine Art akustisches Zwischenspiel, welches auf den „New Hampshire Rain“ vorbereitet. Eine Hymne auf die Heimat der beiden Musiker an der nördlichen amerikanischen Ostküste. Wäre dieser Song ein Reiseführer, ich würde die Region wohl strengsten meiden.

Das Ende gestaltet sich dann etwas versöhnlicher. „Roads go on forever“ ist (genau wie der Bandname) natürlich eine Hommage an Tolkiens Werk und fängt zumindest melodiös den Geist der unbändigen Natur ein, den ich hier bisher so vermisst habe.

Fazit: Was lernen wir daraus? Ehrlich gesagt, ich weiß es selbst nicht. Selten war ich mir selbst so darüber im Unklaren, wie ich zu einem Album stehe. Es ist eigentlich ganz gut, aber irgendwie auch nicht. Es hält nur teilweise, was es verspricht, überrascht dafür an anderen Stellen umso mehr mit guten Einfällen. Kurz: Unbedingt vorher probehören!

Sound: 6

Texte: 3

Konzept: 6

Ausstattung: 5

Wertung: 5/10 Punkten

 

Probehören und im Bandcamp-Shop von Naturmacht Productions kaufen:

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