Kryptische Betrachtungen

Nachdem das letzte Falkenberg-Album noch gänzlich ohne Worte auskam, hat der Liedermacher aus Halle für seine aktuelle CD wieder fleißig kluge Zeilen geschrieben und lässt diese nun in Form von acht brandneuen Liedern auf das Publikum los. Vorhang auf, für „Die Apathie der Sterne“!

1) Die Apathie der Sterne

„Das Verstehen der Reise ist die Reise zum Verstehen/Wann wird Stille Resignation/Die Nähe betrachtet alles verschieden/Und die Befreiung der Faszination.“ 

Wer die teils leichte und versöhnliche Stimmung von „Menschen auf Brücken“ so geschätzt hat wie ich (beispielsweise bei Stücken wie „Brücken über’m Meer“ oder „Die leere überbrücken“), der wird hier erst einmal ernüchtert sein. Vorbei ist es mit der Leichtigkeit, die schweren Arrangements und hoffnungslosen Texten weicht. Das wird gleich bei diesem ersten Song klar. Hier werden große Themen angegangen, die Lieder sind nicht mehr persönlich, sondern nur noch politisch und alles Banale zählt nichts mehr. Damit muss man sich nun erst einmal abfinden.

2) Brot und Beton

„Die Schamlosen Leben/Hämatome Erosionen/Schöner wohnen hinter Mauern/Frakturen und Läsionen.“

Und schon folgt das vermutlich stärkste Stück auf diesem Album. Es kommt einem Schlag in die Magengrube gleich, den Falkenbergs Beobachtungen über die Welt und die Meschen sind treffend. Treffend und Deprimierend. So wie hier, sollte Liedermacherei immer funktionieren.

3) Das Licht fließt zurück durch die Fenster

„Zielloses Lächeln streift die Scheiben und badet im Glanz der aus allem erstrahlt/…“

Wie der Titel vielleicht schon vermuten lassen mag, ist dieses einer der poetischsten und bilderreichsten Texte auf diesem Album, wenngleich dies natürlich auch ein Markenzeichen aller Falkenberg-Texte ist. Passend dazu, halten sich die Instrumente auch größtenteils zurück und es ist über weite Strecken nur eine traumhafte Piano-Melodie und später Streicher zu hören.

4) Mit bleiernen Füßen

„Das Abendgrauen überzieht die müden Paläste wie Flut/Hinter den Treppen säuft das letzte Rot aus seiner Glut/…“

Bei diesem Lied springt das Elend und die Melancholie mal nicht aus jeder Note. Das ist ganz erfrischend und muss auch mal sein. Besonders der Gesang hat mich beeindruckt, des Sängers Stimme kommt hier gut zur Geltung.

5) Die Anmut der Modulation

„Feuerrote Scherben rezitieren den Sommer/Die Kronen der Rosen den blutigen Wein/Sie bringen den Tod der Stagnation/…“

Ein Lied welches wie ein Gedicht anmutet, denn es hat weder Strophe noch Refrain, sondern ist nach einem festen und repetitiven Schema aufgebaut. Das dies nicht langweilig wird liegt einmal mehr an den grandiosen Zeilen, die man sofort versteht, aber wahrscheinlich erst nach mehrmaligem Hören wirklich begreift.

6) Erwachendes Ornament

„Ein Suchender geht zum Schafott mit einem Lächeln aus Schein/Er kennt den Weg die Anzahl der Schritte sein Ruf reißt den Himmel ein.“

Etwas was bisher noch nicht angesprochen wurde: Die Songs sind allesamt ziemlich lang, Keines unter viereinhalb Minuten. Dieses hier ist mit sieben Minuten etwas lang geraten und überspannt den Bogen etwas. Da hilft es auch nicht besonders, dass der Refrain gerade einmal aus einer Zeile besteht.

7) Die Schiffe verneigen sich or dem Strand

„Overtüren aus Wellen/Rapsodien aus Sturm/Kommen meine Nach zu begleiten.“

Das zweite, etwas bekömmlichere Lied auf diesem Album und auch wenn die bedrückende Stimmung etwa aufgebrochen wird, sind die gezeichneten Bilder genauso intensiv und stark wie bei den anderen Stücken.

8) Versunken in rostiger Erde

„Die Wahrheit wurde zu Tode geschleift/Die Vernunft mit Angst geblendet/…“

Es ist unbestreitbar, dass das zentrale Motiv dieses Albums die Kriege dieser Erde sind. Dies wird im letzten Stück noch einmal aufgegriffen. Die gewählten Worte sind so grausam wie das Thema selbst und wenn das Lied und damit das Album zu Ende ist, bleibt nur noch ein Gefühl der Leere zurück.

Fazit: Man muss sich Zeit für dieses Album nehmen. Zeit, über das Gehörte nachzudenken und alle Emotionen von Wut und Lethargie, von Traurigkeit und Apathie nachzuempfinden. Mit seiner metaphernreichen Sprache macht es uns Falkenberg dabei nicht leicht, aber das ist auch gut so. Und jetzt entschuldigt mich, ich muss weinen.

Sound: 8

Texte: 9

Konzept: 8

Ausstattung: 8

Wertung: 8,25/10 Punkten

 

Hier ist die CD bestellbar.

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