Die alte Leier

Der neuste Streich von Universal Music heißt nun also Bannkreis. Das Label, welches uns Santiano und Oonagh gebracht, Faun von einer kleinen Mittelalterband zu deutschlandweit bekannten Popstars gemacht und mit Beyond The Black auch schon ein Auge auf die schwarze Szene geworfen hat,  unternimmt nun den nächsten Schritt um Mittelalter-, Metal- und Gothic-Fans zu begeistern. Bannkreis soll uns epischen Folk-Rock bringen, der gleichzeitig düster-melancholisch und massentauglich sein soll. Ich ahnte bei der ersten Ankündigung schon schlimmes und hörte mir das nun erschienene Album voller Argwohn an. Es hat mich durchaus überrascht.

Wem die Gesichter auf dem Cover vertraut vorkommen, der liegt goldrichtig. Bannkreis ist ein weiters Nebenprojekt von Subway to Sally. Dabei werden Sänger Eric Fish, Lyriker und Leiermann Bodenski, Gitarrist Ingo Hampf und Schlagzeuger Simon Michael von der jungen Musikerin Johanna Krins ergänzt, die bereits auf dem letzten Soloalbum von Eric Fish einen beleibenden Eindruck hinterließ.

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Die Umsetzung als CD ist sehr lieblos geschehen. Ein paar billige Bandfotos und die Texte, das ist alles. Ein schönes Artwork hätte hier echt gepasst.

Diese fünf machen von nun an gemeinsam Musik. Von Anfang an mit namenhaftem Label im Rücken, von Anfang an mit ausgedehnter Tour in großen Häusern und vermutlich auch mit zahlreichen Fernsehauftritten in naher Zukunft. Konsequenterweise ist sogar eine Kollaboration mit Santiano auf dem Album zu finden. Dies alles sollte doch eigentlich einen Entrüstungssturm der alt-eingesessenen Subway-Fans nach sich ziehen, oder? Fehlanzeige! Die Reaktionen auf das Album sind überwiegend positiv. Was ist also dran an dieser neuen Band? Ist es reiner Kommerz oder ein Projekt aus Leidenschaft?

Die Antwort ist ganz klar: Beides. Bei einigen Titeln fühle ich mich durchaus an die aktuellen Alben von Faun erinnert. Irgendwie schon ein wenig anders als die typische Chart-Musik und irgendwie doch gleich. Eingängige Rhythmen, kein Song länger als vier Minten, aber eben auch Folk-Instrumente und mystische Töne. Keine einzige Melodie ist besonders erinnerungswürdig, das ist schade. Es ist ganz klar, welches Publikum angesprochen werden soll, was nicht heißt, dass die Songs schlecht klingen. Sie sind durchdacht und sehr rund produziert, nur halt recht eintönig.

Die Texte hingegen sind größtenteils gelungen. Wortakrobat Bodenski hat wiedereinmal Zeilen verfasst, bei denen man sich nur verwundert die Augen reiben kann. Epische Geschichten von Sehnsucht, Trauer und Romantik werden geboten und wissen den Hörer durchaus zu verzaubern.

Fazit: Ich kann dieses Album guten Gewissens weiterempfehlen. Die Lyrik ist gewohnt grandios und mit dem Sound kann man sich auch anfreunden. Lediglich die Aufmachung wirkt vollkommen lieblos und dröge. Ich bin dennoch gespannt, wo die Reise für Bannkreis hingeht und wie viele offene Ohren dieses Projekt finden wird.

Sound: 5

Texte: 8

Konzept: 5

Ausstattung: 5

Wertung: 5,75/10 Punkten

 

 

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