Böses aus der Alpenrepublik

In manchen Spielarten des Metal ist es verdammt schwer, aus dem dargebotenen Geschrei und Gejohle ein paar klare Worte herauszuhören. Wenn die Texte dann auch noch in feinstem Schweizerdeutsch geschrieben sind, kommt es einer Unmöglichkeit gleich. Willkommen in der Welt von Ungfell!

Aus Zürich stammen die beiden Herren, die mit ihrem neuen Opus „Mythen, Mären, Pestilenz“ folkloristische Elemente mit Metal der harten und dunklen Sorte vermischen. Erschienen ist das Album im Label Eisenwald, das in der Vergangenheit schon so manchen Glücksgriff bewiesen hat und dessen Name wie kaum ein Anderer für kompromisslosen und hochwertigen Black Metal steht.

Man muss sich wohl erst an den eigenwilligen Klang dieses Albums gewöhnen, doch dann wird es von Durchlauf zu Durchlauf besser. Mittlerweile habe ich es zum achten Mal gehört und bin nach anfänglicher Skepsis nun vollauf begeistert. Das Werk strahlt eine Bitterkeit aus, wie ich sie seit längerem nicht mehr gehört hat. Jeder Ton klingt schmerzhaft und man leidet von Lied zu Lied mehr mit.

Es wird geschrien und das Instrumentarium heftigst malträtiert was das Zeug hält. Geschichten, die von Hexen und Berggeistern handeln, werden in einen fantastischen Sound eingebettet. Es waren Musiker mit Leidenschaft am Werk, das merkt man sofort. Die Melodien sind durchdacht und der Krach wohldosiert. Chaos gibt es hier nicht, auch wenn es so wirken mag.

Zwischendurch gibt es immer wieder milde Passagen, die ein wenig an Musik aus der Dungeon Synth- oder Mittelalter-Szene erinnern. So wird die harte Stimmung des Albums regelmäßig aufgelockert. Das Klangbild wirkt dadurch insgesamt sehr rund und ausgewogen.

Ist die CD dann einmal durchgehört möchte man sie sofort wieder von vorn beginnen. So soll es sein! Zwar ist das Gehörte nicht sonderlich innovativ, aber dafür von großer Qualität.

Lobend sei auch die Gestaltung der CD erwähnt. Das Artwork ist toll und die Ausstattung hochwertig. Nichts Anderes war aber aus dem Eisenwald zu erwarten.

Fazit: Wer schon immer nach einem Album sucht, in dem man sich komplett verlieren kann, der wird hier fündig. Natürlich ist die Musik sehr speziell und nur für einen sehr kleinen Kreis an Zuhörern wirklich interessant, aber für diese trifft sie voll ins Schwarze. Und genau das ist es, was gute Musiker ausmacht. Sie machen ihre Musik, gehen ihren Weg. Dann werden sie ihr ehrlich erspieltes Publikum, und sei es noch so klein, finden.

Sound: 10

Texte: 8

Konzept: 10

Ausstattung: 10

Wertung: 9,5/10 Punkten

 

Infos und Bestellmöglichkeit.

Advertisements