Unscheinbar schön

Ich gebe zu, ganz unbefangen kann ich diesen Text über das Debütalbum von OUL namens „Antipode“ nicht schreiben. Denn hinter diesem Projekt steht kein Geringerer als Tobias Schönemann  alias Allen B. Konstanz, der die markante Stimme hinter Ewigheim und The Vision Bleak ist und mit diesen beiden Bands meinen persönlichen Musikgeschmack sehr geprägt hat. Kurzum: Ich bin ein riesiger Fan und habe entsprechend große Hoffnung in diese neue CD gesteckt, die eigentlich kaum zu erfüllen waren. Wie man sich doch täuschen kann…

Um das Album mal im einem einzigen Wort zu beschreiben: Minimalistisch. Im Gegensatz zu den bisherigen Projekten von Konstanz wird dieses Mal seine Stimme nur von zurückhaltenden elektronischen Klängen untermalt. Der Fokus liegt ganz klar auf Gesang und Texten. Das Klangbild ist dennoch angemessen düster und erstaunlich vielfältig. Der wahre Zauber dieses Albums liegt aber in der tiefen und einmaligen Stimmfarbe, die der Künstler immer gekonnt und passend einsetzt. Es ist natürlich ein subjektives Empfinden, aber von dieser magischen Stimme möchte ich jede Nacht in den Schlaf gesungen werden. Irgendetwas steckt dahinter, ich weiß nur nicht was es ist. Ob Konstanz jemals daran gedacht hat, Hörbücher einzulesen? Ich denke, er würde sehr reich damit werden.

Doch nun ein paar Worte zu den einzelnen Titeln. Passend zum minimalistischen Stil des Albums, gibt es zu jedem Song nur genau einen kurzen Gedanken. Here we go:

Void and dark – Verheißungsvolles Intro, beinahe episch.

The apocalypse – Sanfte Klänge zu einem bitteren Text, was für ein schöner Kontrast!

Dwell on the other side – Kosmische Töne, klingt beinahe wie eine vertonte Lovecraft-Geschichte.

You are all – Eher nichtssagend und eintönig, eine Ausnahme.

My elegy – Sehr leidenschaftlich, ein absolutes Highlight.

With a fire – Sehr rockig und eingängig, sehr gewaltig.

On elephants – Ich hasse Elefanten, ich mag Metaphern.

Let it flow again – Flotter Rhythmus, wechselhafte Stimmung.

The antipode – Ein sehr verspieltes Stück, leider etwas kurz.

The beauty of the snow – Mit weitem Abstand der beste Text, sprechend vorgetragen.

Glassy Bubble-Shell – Ruhiges Outro, ein idealer Abschluss.

Fazit: Und da war es auch schon vorbei. Elf kurze Tracks und die Zeit vergeht wie im Fluge. Aber was für eine schöne Zeit es ist, die man mit diesem Album haben kann. Wer klassischen Gothic liebt, der wird hier fündig und auch alle Anderen sollten dem Ganzen wenigstens mal eine Chance geben. Dieses Werk beweist vor Allem mal wieder eine Sache: Es muss nicht immer größer, lauter, mehr von Allem sein. Manchmal sollte man sich auch auf das Wesentliche Besinnen. Das ist hier mehr als gelungen.

Sound: 9

Texte: 8

Konzept: 9

Ausstattung: 8

Wertung: 8,5/10 Punkten

 

Offizieller Shop von OUL.

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