Not all those who wander are lost

Sage und schreibe acht Jahre ist es nun her, dass Loreena McKennit ihr letztes Studioalbum veröffentlicht hat. Zwar gab es dazwischen wenig Leerlauf, immerhin wurden ein Best-Of und ein Live-Album herausgebracht und viele Konzerte gespielt, aber dennoch warteten Fans sehnsüchtig auf neues Material. Die Grande Dame der historischen Folk-Musik ist mittlerweile über 60 und legt mit „Lost Souls“ nun ein wahnsinnig gutes Album vor, das vor geballter Erfahrung und Leidenschaft nur so strotzt, so viel sei verraten.

Mal wieder entführt uns die Ausnahme-Künstlerin auf eine magisch-musikalische Reise rund um die Welt. Es beginnt im Süden. Als bei „Spanish Guitars and Night Plazas“ die ersten sanften Gitarrenklänge aufkommen und schließlich von der noch immer gewaltigen Stimme McKennits überlagert werden überkommt den Hörer direkt eine Gänsehaut. Als wäre seit dem letzten Album keine Zeit vergangen, werden wir sofort wieder abgeholt und an lebendige Orte voller lieblicher Melodien geleitet. Gegen Ende hin wird der Opener dank seiner flotten Rhythmen sogar noch richtig tanzbar. „A Hundred Wishes“ zeigt die Sängerin von ihrer melancholischen und sehnsuchtsvollen Seite. Eins wirklich romantisches Stück. Ein paar kleine Hintergrundinfos zu allen Songs und deren Entstehung finden sich übrigens in den Begleittexten der CD.

Träumerisch geht es weiter mit „Ages Past, Ages Hence“, welches von einer tief empfundenen Naturverbundenheit erzählt. Dabei werden kraftvolle Bilder heraufbeschworen und man fühlt sich als Mensch plötzlich wieder ganz klein und unbedeutend. Doch auch das Erzählen einfacher Geschichten hat die Sängerin nicht verlernt, wie „The Ballad of the Fox Hunter“ beweist. Etwas mehr Leichtigkeit hätte dem Song allerdings gut getan, denn nach der dritten Gefühlvollen Nummer kippt die Stimmung etwas in Richtung Schwermut und das ist hier wirklich fehl am Platz.

Danach gibt es erstmals auf diesem Album ein instrumentales Stück zu hören. „Manx Ayre“ ist gleichsam verspielt und verträumt. Hier kommen wieder einmal keltische Klänge durch, sogar unter Einsatz einer Harfe. Leider wirkt das Ergebnis etwas überladen. Weniger verschiedene Instrumente hätten wohl stimmiger geklungen. „La Belle Dame Sans Merci“ ist die Adaption eines leider viel zu schmalzigen Gedichts und ist deutlich zu lang geraten. Glücklicherweise folgt darauf schon das zweite und deutlich besser gelungene Instrumental „Sun, Moon and Stars“. Wunderschön, kraftvoll und verspielt – der Pagan-Folk lässt grüßen.

Dann wird es noch einmal ernst. „Breaking of he Sword“ enthält die oft genutzte und wohl nie vollständig verstandene Botschaft gegen jedweden Krieg, egal wo oder von wem. Erzählt wird dieses rührende Stück aus der Sicht einer Mutter, die ihren Sohn an den Dienst am Vaterland verlor. Militärische Trommeln im Hintergrund lassen eine bedrückende Stimmung aufkommen, die bei dieser Thematik auch bitter nötig ist. „Lost Souls“ beendet das Werk dann auf wundervolle Art und Weise. Es erzählt von der Reise auf der wir uns alle unser Leben lang befinden und findet dafür erneut so schöne Worte, dass mir nun, ganz am Ende, doch noch ein paar Tränen gekommen sind.

Fazit: Es ist ein Album für alle Träumer, ein Werk für ruhige Stunden, von denen es leider viel zu wenige gibt. Dass Frau McKennitt dabei nach all den Jahren nichts an stimmlicher Kraft verloren hat, ist selbstredend. Man kommt aus dem Staunen über so viel Perfektion gar nicht mehr raus. Jeder Song für sich ist ein Highlight, aber zusammen schaffen sie ein zeitloses Werk, dass vielleicht sogar zu den Besten der Kanadierin gehören mag.

Sound: 10

Texte: 9

Konzept: 9

Ausstattung: 10

Wertung: 9,5/10 Punkten

 

Hier kann das Album in verschiedenen Formaten gekauft werden. Ich empfehle die wunderbar gestaltete CD-Variante.

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