Die Zukunft gehört den Mutigen

Dieses Mal soll es um eine Band gehen, die nun wahrlich in gar keine Schublade passt. Das Trio Unplaces (ehemals NRT) um Frontfrau und Mastermind Dorette Gonschorek veröffentlicht dieser Tage ein wahrlich sperriges Stück Musik, welches faszinierender nicht sein könnte. Genau das Richtige für eine umfassende Betrachtung. Vorhang auf für „Changes“!

Wer versuchen will, die Musik von Unplaces in einfach verständlichen Worten zu beschreiben, der wird ziemlich sicher scheitern. Oberflächlich betrachtet, könnte man es Electro-Pop nennen. Aber das wird dem Album überhaupt nicht gerecht. Es sind oftmals Rock-Gitarren zu hören, dann wieder Synthesizer und elektronische Klangbilder. Die Songstrukturen sind  teils verworren und experimentell, teils beinahe Pop-tauglich (wie ich diesen Begriff hasse…). Vielfalt wird bei Unplaces groß geschrieben und so kommt das Album nicht ohne Überraschungen und WOW-Momente aus. Es gibt lediglich einige Längen am Anfang des Albums, so dass sich der Einstieg etwas schwierig gestaltet.

Klar ist, dass „Changes“ kein Album für fröhlich-leichte Stunden ist. Der Sound klingt wahlweise verzweifelt, bedrohlich oder Beides gleichzeitig. Man fühlt sich in ein futuristisches Szenario entführt, aber eines, in dem man um keinen Preis sein möchte. Unplaces hat einen latenten Klang von Elend, wie er in der elektronischen Pop/Rock-Musik nur selten zu finden ist.

Womit wir beim Inhalt wären. Unplaces legen ihren Fokus ganz bewusst und völlig zurecht auf die größtenteils grandiosen Texte der Bandchefin, welche gänzlich in englischer Sprache gehalten sind. Leider sind sie manchmal etwas zu deutungsoffen und lassen Klarheit vermissen. Das Werk folgt dabei, ähnlich einem Konzeptalbum, einem roten Faden, der mit zunehmender Spielzeit immer deutlicher wird. Hier kommt der geniale Punkt: Fühlt man sich soundtechnisch noch in die Zukunft versetzt, merkt man bei Blick auf die Texte, dass „Changes“ ganz im Gegenteil von zeitgenössischen Fragen handelt und keine Science-Fiction-Kreation ist. Es ist zwar ein Unding, Texte als „modern“ zu bezeichnen, aber ich möchte es hier dennoch ausnahmsweise tun. Unplaces werfen einen geschärften Blick auf unsere Zeit, der so mache Frage beantwortet, jedoch auch immer wieder neue Themen aufwirft. Dementsprechend ist das Ende des Albums auch (im wahrsten Sinne des Wortes) offen gestaltet. Fortsetzung folgt… ?

Zum Schluss möchte ich noch das fantastische Artwork loben. Ich kann nur sagen: Kauft euch die CD und ladet die Musik nicht nur herunter oder streamt sie (das sollte eigentlich selbstredend sein). Die Gestaltung des physischen Tonträgers ist extrem gut gelungen und trägt mit seinen Grautönen und zahlreichen schönen Fotografien sehr zur Stimmung bei.

Fazit: „Changes“ wird kontrovers beurteilt werden, dessen bin ich mir sicher. Ich tue mich schwer mit einer abschließenden Beurteilung, da das Werk so nebulös und abhängig vom Betrachtungswinkel ist, das man es nicht sofort greifen kann. In jedem Falle muss der Konsument Zeit und Mühe investieren, um das Album zu genießen. Dafür wird nicht jeder bereit sein. Vielleicht wird es Menschen geben, die das Werk verschmähen. Und ganz sicher Solche, die es vergöttern. Wichtig ist bei der ganzen Sache nur, das es gehört wird. Nur dies zählt.

Sound: 8

Texte: 9

Konzept: 10

Ausstattung: 9

Wertung: 9/10 Punkten

 

 

Zur CD. 

Zu Unplaces.

 

**Offenlegung: Ich habe ein Rezensionsexemplar der CD gestellt bekommen.**

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