Mit Zahnrad und Zylinder

Steampunk ist ein Phänomen für sich. Es ist eine unsagbar faszinierende Subkultur, die zahlreiche Anhänger zählt. Dennoch gibt es hierzulande kaum Bands und Festivals, die diese Richtung bedienen. Zumindest deutlich weniger, als beispielsweise die Mittelalterszene, mit der es einige Überschneidungen gibt. Auch ich hatte lange Zeit wenig Berührungspunkte mit klassischem Steampunk. Doch nun ist ein Album bei mir gelandet, das es mir wirklich angetan hat: „Entropia“ von Off Limits.

Obwohl die Band seit 2008 existiert, ist dies erst die dritte Veröffentlichung von Off Limits. Sie verstehen sich wohl eher als Liveband und sind jedes Jahr auf zahlreichen Veranstaltungen unterwegs, auf denen sie ihr Publikum begeistern. Die geballte Erfahrung aus 10 Jahren schlägt sich nun in einem monumentalen Studio-Album nieder. Ganze 16(!) Songs sind darauf zu hören. Die Speicherkapazität der CD wird hier voll ausgenutzt.

„Entropia“ bietet im Grunde feinsten Folk Rock. Die fünf Bandmitglieder legen sich arg ins Zeug, um ihre Energie und Spielfreude durch diese Tonaufnahme zu transportieren, das hört man. Verspielte Geigen-Melodien wechseln sich mit rockigen Rhythmen ab, die durchaus tanzbar sind, aber Live bestimmt noch etwas besser funktionieren. An einigen Stellen fehlt leider noch etwas der Druck, der die einzelnen Songs vollkommen macht. Dies ist aber meiner Meinung nach auch auf die Länge des Albums zurückzuführen. So gut der Umfang gemeint ist, so sehr sprengt er dann doch den Rahmen. Drei bis vier Songs weniger und das Album hätte besser funktioniert. Es ist auf 71 Minuten einfach unmöglich, diese Energie aufrecht zu erhalten. Dies bleibt aber Kritik auf hohem Niveau.

Für sich genommen, ist allerdings jedes Lied sehr gut hörbar. Es ist zu spüren, wie viel Feinschliff in jedem Titel steckt. Das Album ist abwechslungsreich, spannend und epochal produziert. Es stecken viele wunderbar harmonische Klänge und epische Momente darin, lediglich der Gesang ist etwas dünn, das dürfte aber im Auge des Betrachters liegen.

Den Texten kommt zu Gute, dass sie nicht alle aus einer Feder stammen. Sogar Coverversionen sind dabei (etwa vom LunaLuna-Klassiker „Wenn ich tot bin“). So ist für Jeden etwas dabei. Sie sind zwar meist nicht auf dem allerhöchsten Niveau, aber durchaus zweckmäßig. Ein, zwei Perlen sind sogar auch darunter. Warum einige Texte aber auf Englisch verfasst sind, erschließt sich mir nicht. Hier hätte ich mir mehr Kontinuität gewünscht.

So bleibt zu sagen, dass „Entropia“ sicherlich kein Album ist, welches unbedingt so oft wie möglich komplett am Stück gehört werden muss, sondern eher zum gelegentlichen und vielleicht auch nebenbei hören geeignet ist. Wem das typische Steampunk-Klangbild zumindest etwas zusagt, der kann hier nichts verkehrt machen und wird viele schöne Musikstücke finden.

 

Anspieltipps: Geister der Vergangenheit, Angry Fiddler

 

Mehr Infos zur Band und zum Album, sowie Bestellmöglichkeit und Live-Termine gibt es auf der Webseite von Off Limits.

 

**Offenlegung: Ich habe die CD für diese Rezension gestellt bekommen.**

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