Betont Gefühlvoll

Die deutsch-italienische Künstlerin Laura Carbone lieferte kürzlich, gut drei Jahre nach dem gefeierten Vorgänger, endlich eine neue Platte ab. „Empty Sea“ heißt sie und wurde bereits von Fans und Fachpresse euphorisch gefeiert. Diese Reaktionen haben auch mich neugierig gemacht. Neun neue Songs, natürlich alle aus eigener Feder, gibt es zu hören, alle voller Melancholie und Gefühl. Aber ist das Album wirklich so gut, wie alle sagen? Ich habe mir eine Meinung gebildet, die ihr nun lesen könnt.

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Das Booklet ist minimal gestaltet, die Texte teils kaum lesbar.

Es beginnt mit dem Titel „Grace“, der gleich mal ganz gut vorlegt. In feinster Pop-Manier wird der Song präsentiert, inklusive langgezogenem Gesang und vielen Wiederholungen. Derlei Song-Strukturen muss man mögen, ich tue dies nicht. Die Strophen sind eher ruhig und minimal gehalten. Aber natürlich kommt hier auch schon die geballte Stimmkraft der Sängerin durch und besonders im Refrain wirkt das Arrangement dermaßen mächtig, dass es einfach nur Spaß macht, zuzuhören.

In „Cellophane Skin“ zeigt sich Frau Carbone hingegen von ihrer rockigen und lauten Seite. Das Lied besitzt eine schöne Steigerung bis zum großen Finale, ist dann aber leider auch viel zu schnell vorbei, schade.

Der Titeltrack „The Empty Sea“ wirkt beinahe hypnotisch. Speziell hat mir hier auch der Text gefallen, auch wenn dieser mit wenigen Worten auskommt. Der Gesang wirkt hier schon fast zerbrechlich und die Instrumentierung ist minimal. Schon hier merkt man: Das Album spielt gekonnt mit Gegensätzen und schnellen Brüchen. Vielfältige Stile verbinden sich hier.

„Nightride“ ist ein Titel zum Entspannen, der am Ende aber auch noch ein euphorisches Finale bekommt. Wenngleich etwas psychedelisch angehaucht, vermittelt es eine (man verzeihe mir den Anglizismus) chillige Atmosphäre und gehört zu den besten Titeln auf „Empty Sea“.

Dagegen ist der folgende Titel namens „Old Leaves Shiver“ schon etwas öde. Hier wird teils zu sehr auf die Bremse gedrückt, so dass der Song gefühlt ewig dauert. Nun er ist mit viereinhalb Minuten auch einer der längsten auf dieser CD. Auch der Text ist zu kryptisch und gewollt kunstvoll.

„Crisis“ ist ein kurzes Stück mit punkigem Klang und kaum verständlichen Gesang. Was auch immer das Lied an dieser Stelle des Albums zu suchen hat…

Bei „Tangerine Tree“ wird es dann tatsächlich etwas romantisch. Dieser Song könnte auch genauso gut im Radio laufen und das ist ausdrücklich als Kompliment gemeint. Er ist gleichsam eingängig und tiefsinnig. Sehr schön!

Dann folgt mit „Who’s gonna save you“ noch einmal ein düster-bedrohlicher Titel. Dieser nervt mit seiner Redundanz aber leider auch recht schnell und versinkt zwischendurch immer mal wieder kurz im Chaos.

Danach kommt mit „Lullaby“ der schöne Abschluss des Albums. Ein wirklich toller Text, gepaart mit einer träumerischen Melodie und nachdrücklichem Gesang. So hätte es eigentlich schon das ganze Album über sein müssen.

Fazit: Laura Carbone reiht sich mit „Empty Sea“ einmal mehr in die aktuell aufkommende Welle von weiblichen Singer-Songwritern im erweiterten Umfeld der schwarzen Szene ein. An die Qualitäten einer Chelsea Wollf oder gar einer Anna von Hausswolff kommt sie aber mit diesem Album noch nicht heran. Noch nicht…

Sound: 8

Texte: 7

Konzept: 6

Ausstattung: 5

Wertung: 6,5/10 Punkten

 

Hier kann das Album bestellt werden.

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